LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer zu Gast beim Bezirk Niederbayern – Austausch über Naturschutz, Umweltbildung und ehrenamtliches Engagement
Landshut. Welche Bedeutung hat der Schutz von Natur und Artenvielfalt gerade in Zeiten vielfältiger Krisen? Und wie kann es gelingen, Menschen für die Natur zu begeistern und zum Mitmachen zu bewegen? Über diese und weitere Fragen sprachen Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz Bayern e. V. (LBV), und Ruth Waas von der LBV-Geschäftsstelle beim Besuch bei Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich in der Landshuter Bezirksverwaltung.
Seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ im Jahr 2019 habe der Artenschutz viel öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Inzwischen sei das Thema angesichts anderer gesellschaftlicher Herausforderungen wieder in den Hintergrund gerückt, sagte Schäffer. Gerade in Krisenzeiten dürfe der Schutz von Natur und Artenvielfalt jedoch nicht an Bedeutung verlieren. „Naturschutz ist im deutschen Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung verankert. Und diese Aufgabe nehmen wir wahr.“
Ein wichtiger Baustein der Arbeit des LBV ist dabei die Umweltbildung. „Wir möchten Menschen dazu ermutigen, unsere Zukunft nachhaltig und lebenswert zu gestalten“, erläuterte Ruth Waas. In Umweltstationen vermittelt der Verband Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Wissen über Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit. So bietet etwa die Umweltstation Straubing auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau verschiedene Veranstaltungen an. Mit dem „Heupferdchen“ können Kinder spielerisch erste Kenntnisse über Arten erwerben. „Wir ermutigen, die Augen zu öffnen“, sagte Schäffer. „Denn man schützt nur, was man kennt.“
Dass Naturschutz viele Lebensbereiche berührt, zeigt auch das Projekt „Alle Vögel sind schon da“. In Pflegeeinrichtungen werden Vogelfutterstationen so aufgestellt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner sie gut beobachten können. Betreuungskräfte werden darin geschult, die Vogelbeobachtungen in den Alltag und in Beschäftigungsangebote einzubeziehen. Nach Angaben des LBV kann dies kognitive Fähigkeiten, Mobilität und psychosoziales Wohlbefinden fördern. Inzwischen beteiligen sich rund 60 Einrichtungen in Niederbayern an dem Präventionsprogramm – darunter auch das Sozialpsychiatrische Zentrum Mainkofen des Bezirks Niederbayern. „Vogelbeobachtungen machen Freude und sogar ein klein bisschen glücklicher“, sagte Schäffer.
Auch beim Thema Vogelschlag setzt der LBV auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Jährlich verunglücken nach Schätzungen des Verbandes in Deutschland mehr als 100 Millionen Vögel an Glasscheiben. Der LBV untersucht deshalb, welche Maßnahmen tatsächlich wirksam sind. Dabei hätten sich Punktmuster als besonders geeignet erwiesen: Kleine reflektierende Aluminiumpunkte in einem Abstand von neun Zentimetern könnten die Kollisionsgefahr nach Angaben des Verbandes deutlich reduzieren, während sie weniger als ein Prozent der Glasfläche bedecken.
Bei all diesen Projekten gehe es um mehr als den Schutz einzelner Arten, betonte Schäffer. Naturschutz könne Menschen zusammenbringen und biete Möglichkeiten, sich unabhängig von Ausbildung oder beruflichem Hintergrund einzubringen. Rund 8.000 Menschen engagieren sich nach Angaben des LBV ehrenamtlich für den Verband. „Wir brauchen eine intakte, selbstbewusste und auch mal unbequeme Zivilgesellschaft“, sagte Schäffer.
Die Bedeutung des Ehrenamts hob auch Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich hervor: „Die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement ist in Bayern sehr hoch und vielfältig. Ohne dieses Engagement würde es nicht gehen – staatliche Strukturen wären überfordert, im Umweltschutz ebenso wie in vielen anderen Bereichen.“ Auch der Bezirk sei sich der Bedeutung des Natur- und Klimaschutzes bewusst und handle entsprechend. „Verbände wie der LBV leisten hier wertvolle Arbeit, für die der Bezirk sehr dankbar ist.“ In den Bereichen Fischerei und Obstbau sei der Bezirk mit seinen Lehr- und Beispielsbetrieben in Lindbergmühle und Deutenkofen ebenfalls im Bereich des Natur- um Artenschutzes aktiv. Ob es hier Kooperationsmöglichkeiten gibt, wollen Bezirk und LBV nun prüfen.
Bildunterschrift:
Sprachen über Arten- und Naturschutz in Krisenzeiten (v.l.): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Ruth Waas und Dr. Norbert Schäffer vom LBV
Foto: Bezirk Niederbayern, Sabine Bäter